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  • Sönke Stiller

Leichte Sprache mit Qualität, Teil 1

Teil 1: Cookies sind Kekse

Dies ist der Beginn einer dreiteiligen Serie über die Qualität von Texten in Leichter Sprache. Was ich heute beschreibe, existiert auch bei Texten in Einfacher Sprache, aber aufgrund der Gesetzeslage entstehen zurzeit vor allem massenhaft Texte in Leichter Sprache. Und viele davon sind vor allem eines: schlecht. In diesem ersten Teil nenne ich zwei abschreckende Beispiele und begründe, warum schlechte Qualität ein echtes Problem für das gesamte Konzept der Leichten Sprache ist.


Warum dieser Text? Nun, leider begegnen uns immer wieder Texte, die angeblich in Leichter Sprache daherkommen, in Wahrheit aber eine Frechheit sind: eine Beleidigung der Leserin oder des Lesers. Das glauben Sie nicht? Lesen Sie selbst:


1. Beispiel: Nonsens

„Cookies ist Englisch und bedeutet auf Deutsch Kekse.“


Dieser Satz auf einer Website in angeblicher Leichter Sprache war so absurd, dass ich laut lachen musste, als ich ihn las. Auf den ersten Blick humoristisch, ist ein solcher Satz eigentlich ein großes Ärgernis. Der Satz ist im Kontext eines Cookie-Banners auf einer Website schlicht Unsinn, aber keine Leichte Sprache.


2. Beispiel: faul und falsch

Wenn Schimmel auf dem Lebensmittel ist. Oder wenn die Farbe komisch ist: Dann soll man es nicht mehr essen oder trinken.


Wenn alles in Ordnung ist: Dann kann man an dem Lebensmittel riechen. Wenn es komisch riecht: Dann soll man es nicht mehr essen oder trinken.


Wenn alles in Ordnung ist: Dann kann man mit der Zungen-Spitze schmecken. Wenn es komisch schmeckt: Dann soll man es nicht mehr essen oder trinken.


Fünf extrem schlecht kaschierte Konditionalsätze hintereinander – mehr absurde Nebensatzvermeidung geht nicht. Ich sehe in dem Textauszug noch weitere Probleme, aber die spare ich mir an dieser Stelle; bleiben wir bei den verkappten Nebensätzen. Das Komma ist einfach durch einen Doppelpunkt ersetzt worden – und das soll dann Leichte Sprache sein? Außerdem ist es grammatikalisch schlicht falsch. „Man“ hätte sich die Mühe machen sollen, den Text grundsätzlich anders anzugehen, um der Leserin oder dem Leser die Sinnzusammenhänge hinter dem Konditionalsatz begreiflich zu machen. Eine andere Textstruktur hätte sprachliche Wunder gewirkt.


Ich verlinke die Originaltexte nicht und nenne auch keine Urheber, weil es mir nicht darum geht, Mitbewerber oder Auftraggeberinnen schlecht dastehen zu lassen, aber die Beispiele sind echt. Ich habe sie mir nicht ausgedacht.


Schlechte Qualität – ein echtes Problem

Worum es mir geht? Solche Texte sind nicht nur ärgerlich, sondern ein echtes Problem. Sie bieten keinen Mehrwert für ihre Zielgruppe. Irrelevante oder irreführende Informationen wie im ersten Beispiel oder eine schlechte strukturelle Aufbereitung der Information wie im zweiten Beispiel machen den Inhalt nicht zugänglich. Im Zweifel bewirken sie nur eines: Verwirrung.


Als wäre das nicht schlimm genug, liefern solche Texte Munition für alle, die Leichte Sprache schon immer diskreditieren wollten. Wäre ich Journalist und wollte eine Glosse über Leichte Sprache schreiben; mich darüber lustig machen und auf diese Weise meine Meinung belegen, dass Leichte Sprache ein Mittel zur Verblödung der Menschheit sei – ich würde solche Beispiele benutzen. Natürlich würde ich es mir damit leicht machen, aber die Kritik an den o.g. Beispieltexten ist trotzdem mehr als berechtigt.


Damit erweisen einige (beileibe nicht alle!) Anbieter am Markt für Übersetzung in Leichte Sprache der guten Sache einen Bärendienst. Im zweiten Teil dieser Serie werde ich einen Blick auf die Ursachen für mangelhafte Qualität werfen und im dritten Text beschäftige ich mich mit möglichen Lösungen.


Wenn Sie ebenfalls Beispiele für schlecht übersetzte Texte kennen, über die Sie sich aufregen, kommentieren Sie gern. Und abonnieren Sie den Feed unseres Blogs, damit Sie Teil zwei und drei dieser Miniserie nicht verpassen.


Ihr Sönke Stiller

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