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Gendern in Einfacher Sprache

Gendern in Einfacher Sprache: Ist das sinnvoll? Was geht und was geht nicht? Wo sind die Grenzen? In diesem Blogbeitrag beschreibe ich die Gemeinsamkeit und den Zielkonflikt von Gendersprache und Einfacher Sprache.


Einfache Sprache will Verständlichkeit

Einfache Sprache will Verständlichkeit für alle Menschen. Die Grundidee dabei ist inklusiv: Einfache Sprache will so viele Menschen wie möglich „mitnehmen“. Alle Menschen sollen mitreden können. Alle Menschen sollen sich einbringen können. Dafür ist eine allgemein verständliche öffentliche Kommunikation die Voraussetzung.


Ausgrenzung vermeiden

Man kann also mit Sprache Menschen ausgrenzen, weil man zu kompliziert spricht und schreibt. Ein großer Teil der Bevölkerung versteht dann die Informationen nicht mehr. Deshalb kämpfen wir für Einfache Sprache.


Man kann aber auch Menschen ausgrenzen oder abwerten, weil man sie nicht nennt. Es mag ein plakatives Beispiel sein, aber wenn man „Chefs und Putzfrauen“ sagt, entsteht ein Bild im Kopf. Dieses Bild ist problematisch: Zum einen könnten sich eine Chefin und eine männliche Putzkraft davon nicht angesprochen fühlen; das wäre Ausgrenzung. Zum anderen fühlen viele Menschen bei einer solchen Formulierung eine Hierarchie: Mann oben, Frau unten. Das ist eine Abwertung und letztlich eine Form der Diskriminierung.


Die Gemeinsamkeit

Die spannende Frage ist nun, wie Sprache so viele Menschen wie möglich mitnehmen kann. Das ist ein Anliegen, das Einfache Sprache und Gendersprache gemeinsam haben: niemanden ausgrenzen. Weil sich alle angesprochen fühlen. Und weil alle den Text verstehen.


Ein Zielkonflikt, ...

Trotz des gemeinsamen Anliegens gibt es ein deutlich sichtbares „Problem“: Einfache Sprache vermeidet alles, was einen Text kompliziert macht. Und Gendersprache ist kompliziert. Sie braucht Sonderzeichen, Doppelnennungen oder ähnliches – was den Text verlängert oder Zeichen nutzt, die nicht zur bisherigen Standardsprache gehören. An dieser Stelle gibt es einen Zielkonflikt.


... der lösbar ist

Allerdings ist er aus unserer Sicht auflösbar, wenn man pragmatisch schreibt und spricht.


Für uns bedeutet „pragmatisch“ folgendes:

  1. Grundsätzlich nutzen wir so viele neutrale Begriffe wie möglich. Also lieber „Pflegekräfte“ als „Pflegerinnen und Pfleger“; besser „Angestellte“ statt „Arbeitnehmer*innen“.

  2. In Leichter Sprache nutzen wir nur das generische Maskulinum. Denn hier gilt: Alles, was einen Text kompliziert macht, muss weg. Das gilt in Leichter Sprache auch für lange Erklärungen „warum wir nur die männliche Form nutzen“.

  3. In Einfacher Sprache nennen wir, wenn nötig, die männliche und die weibliche Form. Auch das hat Nachteile: Es verlängert den Text, es erzeugt Wiederholungen und es nennt keine Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen. Warum also diese Variante? Sie ist ein Kompromiss, der ohne Sonderzeichen auskommt. Die Vielzahl der unterschiedlichen Sonderzeichen ist aus Sicht der Einfachen Sprache ein Problem. Und die Doppelnennung ist eine Form, die flüssig lesbar und nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung korrekt ist.

  4. Sollte es in Zukunft eine verbindliche Regel in der deutschen Rechtschreibung geben, werden wir sie übernehmen.

Was denken Sie? Sind Gendersprache und Einfache Sprache vereinbar? Ich bin gespannt.


Herzliche Grüße

Sönke Stiller

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