EINFACHE SPRACHE
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Einfache Sprache

Was lesen Sie in diesem Text? Ein Überblick

Was ist Einfache Sprache?

Korrektes Deutsch - nur verständlich

Kommunikation für (fast) alle

95% der Menschen in Deutschland verstehen einen Text in Einfacher Sprache. Ist der Text gut geschrieben, merkt niemand den Unterschied zu "normaler Sprache". Einfache Sprache ist eine großartige Sprachform für alle. Deshalb kann Einfache Sprache für sich allein stehen: Niemand muss aufwändig verschiedene Textversionen schreiben und, z.B. auf Websites, pflegen. Wir sind überzeugt: Einfache Sprache hilft fast allen und stört fast niemanden. 

Für wen ist ein Text?

Schreiben Sie für eine Akademikerin mit Migrationshintergrund, die gerade Deutsch lernt? Für diese Frau wären Sprachbilder schwierig, zum Beispiel die Formulierung "das liegt auf der Hand". Fremdworte hingegen können unter Umständen sogar hilfreich sein.

Oder schreiben Sie für einen Muttersprachler, der seit 20 Jahren kein Buch mehr gelesen hat? Für diesen Mann ist es genau umgekehrt: Das Fremdwort ist schwierig, überhaupt sind lange Worte und lange Sätze schwierig. Hingegen sind Sprachbilder kein Problem.

 

Das einfache Beispiel zeigt, wie wichtig die Frage nach der Zielgruppe ist. Ist die Zielgruppe vielfältig, muss der Text in der Regel stärker vereinfacht werden. Denn am Ende sollen ja alle Menschen den Text verstehen. Einfache Sprache richtet sich deshalb nach ihrer Leserin oder ihrem Leser. Nicht umgekehrt.

Wie ein Treppengeländer

Wir vergleichen Einfache Sprache gern mit einem Treppengeländer: Wenn Sie Treppen steigen können, brauchen Sie vielleicht kein Geländer. Aber wer ein bisschen Hilfe braucht, ist dafür dankbar. Und ein Geländer kann sogar Spaß machen. Sind Sie in Ihrer Kindheit Treppengeländer heruntergerutscht? Dann wissen Sie, was wir meinen. Übertragen auf Einfache Sprache gilt das auch: Einfache Sprache kann Spaß machen. Es gibt mittlerweile alle möglichen Textgattungen in Einfacher Sprache, sogar Literatur.

Was ist Ihre Botschaft?

Bei Einfacher Sprache geht es um verständliche Kommunikation. Damit sie gelingt, muss die Botschaft eines Textes klar sein. Deshalb fragen wir Sie vor einer Übersetzung in Einfache Sprache: Was ist die Hauptaussage, was sind weitere wichtige Informationen? Schwierige Sätze verschleiern manchmal nur, dass ein Text eigentlich nichts aussagt. Ein anderer häufiger Grund für "Geschwurbel" ist Unsicherheit: Wer nicht genau weiß, was er sagen will, versteckt sich hinter komplizierten Formulierungen. Ein Text ohne klare Botschaft wirkt nach seiner Übersetzung in Einfacher Sprache meistens banal. Das ist aber kein Fehler der Einfachen Sprache, im Gegenteil: Sie macht Widersprüche, missverständliche Formulierungen und Unklarheiten sichtbar.

Richtlinien statt Regeln

Einfache Sprache ist flexibel, weil sie sich immer nach ihrer Zielgruppe richtet. Statt fester Regeln gibt es nur Richtlinien. Je nachdem, für wen ein Text geschrieben ist, kann er unterschiedlich aussehen - und ist doch Einfache Sprache. Einige Richtlinien gelten aber immer, zum Beispiel:

  • Gliedern Sie Ihren Text klar und nachvollziehbar.

  • Benutzen Sie kurze Sätze.

  • Benennen Sie Dinge so konkret wie möglich.

Korrektes Deutsch, nur verständlich

Einfache Sprache benutzt korrekte deutsche Worte und Sätze. Alles, was nicht korrekt ist, ist auch in Einfacher Sprache verboten, zum Beispiel:

  • Halbsätze ohne Subjekt und Prädikat

  • künstliche Fragen zur Vermeidung eines Nebensatzes

 

Einfache Sprache ist korrekt, aber verständlich. Kurz: Einfache Sprache ist klar und deutlich - deshalb haben wir unsere Agentur genau so genannt.

 

Warum Einfache Sprache?

Für 17 Millionen Menschen ist lesen und schreiben mühsam

Behörden und Großunternehmen verschicken zigtausend Briefe und Formulare an Bürger und Kunden. Mit Einfacher Sprache gelingt es, die Menge der Rückfragen, Besuche, fehlerhafter Rücksendungen, falscher Kundenreaktionen – bis zu Außenständen bei Zahlungen – drastisch zu senken. Untersuchungen in den USA zeigen, dass durch Einfache Sprache Millionen Dollar im Jahr eingespart werden können.

Prof. Dr. Andreas Baumert

 

17 Millionen Menschen?

Laut leo-Studie sind in Deutschland 6,2 Millionen Menschen "gering literalisiert". Das bedeutet kurz gesagt, dass sie nicht alltagstauglich lesen und schreiben können. Diese Menschen kennen meist die Buchstaben, verstehen aber geschriebene Texte nicht oder kaum. Weitere 10,6 Millionen Menschen schreiben "auffällig fehlerhaft, auch bei gebräuchlichem Wortschatz". Zusammen sind das knapp 17 Millionen Menschen. Das ist fast ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland.

Verständlichkeit

In der Kommunikation ist Verständlichkeit immer das Wichtigste. Wenn ein Drittel der Adressatinnen und Adressaten einen Text nicht versteht, ist dieses Ziel nicht erreicht. Einfache Sprache erreicht diese Menschen.

Widersprüche meiden

Bei Einfacher Sprache geht es darum, bereits vor der Veröffentlichung von Informationen widersprüchliche, uneindeutige oder unverständliche Passagen zu vermeiden. Andernfalls müssen nachträglich die Schäden ausgebessert werden.

Ärger vermeiden, Kosten senken

Hotlines, Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter werden durch Einfache Sprache entlastet, denn es gibt weniger Missverständnisse und weniger Klärungsbedarf. Die Empfängerinnen und Empfänger von Briefen u. ä. verstehen die Informationen auch ohne Nachfragen. Auch intern kann Einfache Sprache dazu führen, dass mehr Klarheit herrscht. All das spart langfristig Kosten und erhöht die Zufriedenheit von Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Keine „Verdummung“

Einfache Sprache führt nicht dazu, dass Fähigkeiten verloren gehen. Sie ist eine Antwort auf vorhandene, aber lückenhafte Kompetenzen. Einfache Sprache kann sogar dazu beitragen, dass ungeübte Leserinnen und Leser mehr lesen und ihre Kompetenzen erhalten oder verbessern. Denn wenn Leserinnen und Leser einen Text verstehen, haben sie ein Erfolgserlebnis und „bleiben dran“.


Wer gerne Texte auf einem hohen Sprachniveau lesen möchte, darf das gern auch weiterhin tun. Ein Beispiel: Zeitungen wie die FAZ oder die ZEIT wird es immer geben. Auch Fachsprache hat ihren Wert: Wenn sich Expertinnen und Experten über ihr Fachgebiet austauschen, haben sie dafür eigene Begriffe. Und das ist auch in Ordnung, denn untereinander verstehen sie sich.

Einfache Sprache ist ein Mittel für die Kommunikation im Alltag. Ist ein Text in Einfacher Sprache gut geschrieben, bemerken geübte Leserinnen und Leser die „Besonderheit“ des Textes nicht. Sie können den Text nur schneller lesen und verstehen. Das ist sogar für geübte Leserinnen und Leser ein Mehrwert.

Einfache Sprache oder Leichte Sprache?

Wie unterscheiden sich Einfache Sprache und Leichte Sprache eigentlich?

Einfache Sprache und Leichte Sprache wollen ähnliche Dinge erreichen: Sie wollen verständliche Kommunikation möglich machen. Aber Einfache Sprache und Leichte Sprache sind nicht das gleiche. Sie beruhen auf unterschiedlichen Denkweisen und wenden sich an unterschiedliche Menschen. ​

Leichte Sprache

...ist ein Mittel für Barrierefreiheit: Ihre Zielgruppe sind Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung. Für diese Zielgruppe ist Leichte Sprache unverzichtbar und wichtig.

 

...ist für Behörden vom Bund bis zur Kommune in bestimmten Bereichen gesetzlich vorgeschrieben.

 

...bleibt immer ein Zusatzangebot. Im schlimmsten Fall schämen sich Nutzerinnen und Nutzer dafür, dass sie das Angebot in Leichter Sprache brauchen. Und auf jeden Fall sind zwei verschiedene Textversionen nötig: eine Version in "Standardsprache" und eine in Leichter Sprache.

 

...kann die wichtigsten konkreten Informationen vermitteln. Sie hat aber Grenzen, wenn es um Belletristik, Poesie, komplexe fachliche Themen oder lange Texte geht.

 

...hat klare und relative starre Regeln. Die Ausdrucksmöglichkeiten sind stark eingeschränkt. Verständlichkeit für die Zielgruppe geht vor Korrektheit.

 

...muss von Menschen aus der Zielgruppe geprüft werden.

Einfache Sprache

...wendet sich an 17 Millionen Erwachsene in Deutschland. Die Zielgruppen sind vielfältig und verschieden. Einfache Sprache ist dabei KEIN Mittel für Barrierefreiheit, sondern eine verständliche Sprache für fast alle.

 

...kann alles ausdrücken, was Sie sagen möchten. Oft wird Ihre Botschaft in Einfacher Sprache sogar klarer als in "normaler Sprache".

...steht für sich: Verschiedene Textversionen sind in der Regel nicht nötig.

 

...ist korrektes Deutsch - und kann mit juristischer Hilfe sogar rechtssicher sein.

 

...ist von außen nicht als "etwas Besonderes" erkennbar und deshalb im besten Sinne inklusiv.

 

...spart doppelte Arbeit für Helpdesks und Redaktionen: Sie ist klar und verständlich. Gleichzeitig reicht in vielen Fällen eine Textversion für alle.

Das Buch "Einfache oder Leichte Sprache - Eine Entscheidungshilfe" von Prof. Dr. Andreas Baumert bietet Ihnen noch mehr fundierte Informationen und Know How. Sie können es kostenlos herunterladen. Klicken Sie dazu einfach auf das Cover.